Weinlese 2013

Weinlese 2013

Die Weinlese in Spanien neigt sich dem Ende zu, da stellt sich doch die Frage: Wie war’s?

Ich will im Folgenden keinen Überblick geben, sondern nur einen kleinen, persönlichen Einblick.

Ende Mai war ich eine Woche in Barcelona und Zaragoza. Am ersten Tag machte ich eine große Wanderung um den Montjuïc herum und quer durch die Stadt. Es war kalt. Jacke zu. Fing an zu regnen. Brrr. Sonne! Heiß – Jacke auf, Regen und Schweiß verdampfen. Sonne weg, kalt, Regen. Wieder Sonne. So wechselhaft hatte ich Spanien bisher noch nicht erlebt und war prompt zwei Tage später erkältet.

Die Fahrt im Überlandbus nach Aragón. Karge Landschaft, Getreidefelder, gelegentlich Reben, in der Ferne gedrungene Städte auf Anhöhen in der weiten Ebene. Wo nichts angebaut wird, ein grüner Flaum.

Nass-Kalte Eindrücke aus Cariñena
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Bodega Solar de Urbezo, D.O. Cariñena

Wenn ich auch im Urlaub bin, so komme ich doch nicht umhin, auch das eine oder andere Weingut zu besuchen.
Südlich von Zaragoza liegt das Dorf Cariñena, Zentrum des gleichnamigen Anbaugebiets und Heimat des Altius, gemacht von der Bodega Solar de Urbezo.

Mit dem Winzer Santiago Gracia Ysiegas und meinem Reisegefährten Timo (Si, somos los dos Timos.) fahren wir raus in die Weinberge. Ein blauschwarzer Himmel liegt bedrohlich über der großen Ebene, gesäumt von grünen Bergen. Es gibt dort ein Foto von mir, in die Kamera lächelnd, mit verfroren angezogenen Schultern. Es ist kühl und tröpfelt. Santiago ist nicht sehr glücklich. Den Reben ist zu kalt, sie wachsen noch nicht richtig, sind einen Monat hinterher. Ein kleiner Fluß führt Wasser, zum allerersten Mal Ende Mai, soweit sich Santiago erinnern kann. Wenn es so weiterginge mit der Feuchtigkeit, müßte er sich Gedanken über Pilzkrankheiten machen. Ich empfehle ein Praktikum in Deutschland. Aragón ist normalerweise nicht grün zu dieser Jahreszeit, sondern eine dürre Landschaft, wie gemacht für Westernfilme.

Ich war natürlich sehr gespannt, wie die Geschichte weiterging und fragte kürzlich bei Santiago nach. Für ihn gibt es ein Happy End: Die Lese begann zwar einen Monat später als üblich am 17. September und dauerte bis zum 18. Oktober. Dafür ist aber die Qualität ausserordentlich gut. Die Trauben sind gesund, reif und ausgewogen in pH, Säure und Zucker.

Ähnliche Nachrichten erhiehlt ich aus Marça in Montsant
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Acústic Celler, D.O. Montsant

Albert Jané hatte sich vor einigen Jahren von seiner Familie, die die Bodega Jané Ventura betreibt, unabhängig gemacht und sich im Montsant mit Acústic Celler den Traum vom eigenen Weingut erfüllt. Der Liebhaber richtig alter Reben ist ebenfalls mit der Ernte äußerst zufrieden.

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Acústic Celler, alte Weinreben

Ich war im Herbst 2012 dort, es war knochentrocken und heiß, das Jahr davor ebenso. Zwei schwierige Jahre. Im Frühjahr 2013 allerdings regnete es und über’s Jahr waren die Temperaturen nicht so extrem hoch. Die Lese begann drei Wochen später als im Vorjahr und auch hier gibt es wunderschöne reife, fruchtige Trauben.

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Acústic Celler, D.O. Montsant

Wenn in den anderen Regionen Spaniens ebenso erfreuliches Wetter herrschte, dann dürfen wir uns über ein gutes spanisches Weinjahr freuen. Ich bin gespannt!

Diese beiden können wir euch jetzt schon empfehlen

Altius Vendimia Seleccionada 2012

Santiago Gracia Ysiegas macht keine elitären Spitzenweine, sondern Bodenständiges mit viel Trinkgenuß. Der 2012er aus Garnacha, Cabernet Sauvignon und Merlot mit nur drei Monaten Barrique zur Abrundung ist beerig, charmant und verträgt eine leichte Kühlung. Für mich einer der harmonischsten Jungweine.

Acústic Blanc 2011

Weiße Spanier stehen zu Unrecht im Schatten ihrer roten Brüder. Gerade die Katalanen haben viel Spannendes zu bieten. Albert Jané macht aus den einheimischen Rebsorten Garnatxa Blanca, Garnatxa Roja, Pansal und Macabeu einen Wein, der gleichzeitig Frische und Fülle bietet. Nur ein Teil wird in neuen Barriques vergoren, wodurch er es schafft, das Holz den Körper und die Aromatik unterstützend, aber nicht bestimmend im Geschmack einzusetzen. In der Nase dominieren reife Birne, Honigmelone, Akazienhonig, im Mund ist er füllig, aber nicht zu fett mit einer schönen Fruchtsüße- Säurebalance. Ein idealer Wein zu kräftigen Gerichten.

Euer Timo
Wein & Vinos, Weinberater