L'Ermita Lage Celler çlvaro Palacios, DOQ Priorat

Terroir – Regionale Persönlichkeiten in einer globalisierten Weinwelt

Der Begriff »Terroir« oder auf Spanisch »terruño« geistert seit einigen Jahren in der Weinpresse herum und ist genauso vage wie vieldeutig. Kurz gesagt, sind damit alle Umgebungsfaktoren (Boden, Mikroklima, etc.) gemeint, die dem Wein einen regionalen Charakter und ein einzigartiges Geschmacksbild verleihen. So sollte zum Beispiel ein Tempranillo aus der Rioja anders schmecken als ein Monastrell aus Südspanien. Eigentlich ganz logisch. Oder etwa doch nicht?

Die Globalisierung der Weinwelt

Es mag zwar mittlerweile ein abgenutztes Thema sein, aber die viel beschworene Globalisierung hat auch vor der Weinwelt nicht Halt gemacht. Die Zeiten regionaler und nationaler Weinmärkte sind längst vorbei. Heute haben die Winzer ihre Kunden auf der ganzen Welt. Riesling von der Mosel, Zinfandel aus Kalifornien, Chardonnay aus Neuseeland – jeder noch so kleine Discounter hat heute die gesamte Weinwelt in seinen Regalen stehen. Doch wer von der Vielfalt der Herkünfte auch auf geschmackliche Heterogenität schließt, kann leicht enttäuscht werden. Denn natürlich wollen all diese Weine in erster Linie dem Normalverbraucher gefallen. Und dessen Geschmack sieht, statistisch gesehen, so aus: exotisch-fruchtige Weißweine mit wenig Säure, partytaugliche Rosés und Rotweine mit viel marmeladiger Frucht und dezenten Holznoten. Alles irgendwie lecker – alles irgendwie belanglos!

Die Parkerisierung

Doch nicht nur im Discounter ist eine Vereinheitlichung des Geschmacks zu beobachten. Auch die hochpreisigen Weine orientieren sich an einem bestimmten Geschmacksideal. Und glaubt man seinen Kritikern, dann ist es Robert Parker, der wohl weltweit berühmteste Weinkritiker, dem die Winzer mit ihren Weinen gefallen wollen. Denn mit seinem 100-Punkte-Bewertungssystem hat er maßgeblichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg eines Weinguts. Knackt ein Wein die 90-Punkte-Grenze, kann der Winzer die Preise deutlich anheben und sich einer großen Nachfrage Parker-gläubiger Konsumenten sicher sein. Jenseits der 95 Punkte wird der Jahrgang innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft sein. Andersherum können niedrige Bewertungen den Absatz der Weine deutlich erschweren. Es wird immer mal wieder verlautbart, dass Parkers Herz für alkoholreiche, vollfruchtige Weine mit deutlichem Eichenholzeinfluss schlägt. Da ist es wohl nicht abwägig zu vermuten, dass der eine oder andere Winzer diesem Geschmacksideal mit seinen Weinen zu entsprechen versucht.

Das Terroir

Den Terroir-Ansatz kann man nun gewissermaßen als Gegenbewegung zu dieser globalisierten Weinwelt sehen. Denn anstatt „Everybody’s Darling“ auf die Flasche zu bringen, ist den Terrior-orientierten Winzern daran gelegen, Weine zu machen, die möglichst viel von ihrer einzigartigen Heimat einfangen und sich damit deutlich vom Mainstream abheben. Was nun im Einzelnen als Teil des Terroirs verstanden wird, ist sehr unterschiedlich, da es keine einheitliche Definition gibt. Wie bereits erwähnt, umfasst das Terroir all jene Faktoren, die dem Wein seinen Herkunftscharakter verleihen. Dazu gehören der Bodentyp, das Kleinklima, die Hangneigung, die Rebsorte und natürlich auch die Arbeit des Winzers. Und da sich all diese Faktoren von Region zu Region, manchmal sogar von Parzelle zu Parzelle sehr stark voneinander unterscheiden, zeigen auch die Weine einen sehr eigenständigen Charakter. Zumindest dann, wenn der Winzer ihnen diese regionalen Eigenarten im Keller nicht austreibt, um dem Mehrheitsgeschmack zu gefallen.

Die Weinberge von Contino befinden sich in einer Flussschlinge des Ebro - Einzellage, Mikroklima und Winzer machen die Weine zu Terroir-Weinen.

Die Weinberge von Contino befinden sich in einer Flussschlinge des Ebro – Einzellage, Mikroklima und Winzer machen die Weine zu Terroir-Weinen.

In Spanien ist das berühmteste Beispiel für Terroir-geprägte Weine sicherlich das Priorat. Hier gibt es mit dem speziellen Llicorella-Schiefer eine Bodenart, die nur dort vorkommt und den Weinen ihre typische Mineralität und Eleganz verleiht. Paradebeispiel aus dieser Region ist der Camins del Priorat von Álvaro Palacios. Auch die Mencía-Traube, die in erster Linie in der D.O. Bierzo angebaut wird, eignet sich sehr gut für die Herstellung von Terroir-Weinen. Zu empfehlen sind hier der Ambata 2013 und der Pétalos del Bierzo 2012. In prestigereichen Anbaugebieten wie der Rioja oder Ribera del Duero gibt es natürlich auch tolle Terroirweine. Der Contino Reserva 2007 zum Beispiel ist ein Wein aus Einzellage und der Mesoneros de Castilla Roble 2012 ein Wein, wie er nur in der Ribera del Duero erzeugt werden kann.

Viel Spaß beim Probieren wünscht Ihre,
Tanja Stein