Tempranillo Trauben in Rodero

Tempranillo – Eine Rebsorte und ihre vielen Facetten

Die Traube und ihre Synonyme

Wenn man nicht weiß, dass der Tempranillo in Spanien unter unzählig vielen verschiedenen Namen bekannt ist, könnte man meinen, Spanien ist ein Weinland, in dem es eine große Vielfalt an eigenwilligen und nie gehörten Rebsorten gibt, die man alle unbedingt irgendwann einmal verkosten sollte. Wie sich jedoch oft herausstellt, steht eben oft nicht „Tempranillo“ auf dem Etikett sondern eine der vielen für diese Rebsorte bekannten Synonyme.
Ich glaube, keine andere Rebsorte kommt auf eine derartige Synonymvielfalt wie der Tempranillo: Tinta del País, Aragonés, Tinta de Toro, Cencibel oder Ull de Llebre sind nur einige davon.

Tausendsassa Tempranillo

So vielfältig wie die Namen des Tempranillo ausfallen, so vielfältig ist er – abhängig von Weinbaugebiet und vor allem Boden – in Charakter und Geschmack. Tempranillo lässt sich hervorragend sortenrein ausbauen, harmoniert jedoch auch sehr gut mit anderen Rebsorten. Er ergibt Weine, die sich aufgrund ihres moderaten Säure- und Tanningehalts jung trinken lassen. Tempranillo-Weine können aber auch lange reifen und machen Spaß, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben. Dann können sie samtig und weich in ihrer Textur sein und eine komplexe Aromenstruktur aufweisen.
Die Rebsorte lässt sich ganz wunderbar ohne Holz ausbauen. Trifft Tempranillo aber auf Barrique, kann es zu unvergleichlichen Geschmacksexplosionen kommen, denn die Holzaromen verbinden sich sehr gut mit der beerigen und präsenten Aromatik dieser Traube. Ein Tausendsassa also dieser Tempranillo, der viel zum Erfolg spanischer Weine beigetragen hat.

Tempranillo-Rebstock

Tempranillo ist schnellwüchsig und kommt daher oft unter die Winzerschere

Kleine Namenskunde

Im Anbau eher unkompliziert, ist Tempranillo bei Weinmachern auch deshalb so beliebt, weil er nur eine kurze Vegetationsperiode benötigt. Er treibt spät aus, ist aber frühzeitig reif. Daher auch sein Name, der sich von „temprano“ ableitet, und so viel heißt wie „der kleine Frühe“.
Alles, was er zu optimaler Reife benötigt, sind möglichst lehmige Kalkböden und ein eher kontinentales Klima mit warmen Tagen und kühlen Nächten. Setzt der Winzer dann im Laufe der Wachstumsperiode die Schere ein und reduziert den Traubenbehang am Stock (Tempranillo neigt zu starker Wuchskraft und damit Überertrag.) erhält er konzentrierten Most, aus dem er später Weine mit intensiver Farbe, der strahlenden und bekannten Aromatik sowie ausgewogener Säure- und Tanninstruktur gewinnt.

Rioja – Die Wiege des Tempranillo

Ungeklärt ist noch immer die Herkunft des Tempranillo. Man vermutet, dass er gemeinsame Wurzeln mit dem Cabernet Sauvignon, Merlot und Petit Verdot aufweist und dass er aus der Rioja stammt. Passen würde das gut, denn die Sorte ist untrennbar verbunden mit diesem Weinbaugebiet.
Allerdings war das nicht immer so. Noch bis in die 1960er Jahre war der Tempranillo in einer riojanischen Cuvée nur mit einem Anteil von höchstens 40% vertreten. Meist spielte Garnacha die Hauptrolle. Aber mittlerweile ist deren Bestand zugunsten des Tempranillo stark zurückgegangen. Die frühe Reife, die zuverlässigen Erträge und vor allem die sehr gute Eignung für den Ausbau im Holz haben viele Winzer dazu bewogen, Garnacha-Reben durch Tempranillo zu ersetzen. Ob der klassisch-elegante Stil der großen Traditionshäuser oder die üppigen Fruchtwunder der Moderne: Der Tempranillo hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Rioja heute zu den bekanntesten Anbaugebieten der Welt gehört. Kein Wunder, wenn man dabei an so gelungene Weine wie die von Remírez de Ganuza, La Rioja Alta, Remelluri, Avior oder Valdelana denkt.

Tempranillo-Ernte bei Remelluri

Tempranillo-Ernte bei Remelluri – das „Frühchen“ wird zeitig im Jahr geerntet

2. Heimat: Ribera del Duero und Toro

Aber auch in Ribera del Duero und Toro hat es die Rebsorte mittlerweile zu großer Bedeutung gebracht. Dort entstehen aus ihr lebendig frische und elegante Tropfen oder opulente Kraftpakete mit ausgeprägter Tanninstruktur. Typische Aromen für die Tempranillos, die hier erzeugt werden, sind Pflaumen, aber auch florale Noten, die an Rosen und Veilchen erinnern, komplettiert durch die Aromen des Fassausbaus, die sich häufig in Form von Schokolade und Kaffee zeigen. Beste Beispiele für Weine beider Anbaugebiete sind die von Hacienda Monasterio, Pérez Pascuas, Quinta Quietud oder Elías Mora, um nur einige zu nennen.

Mit diesen Beispielen sind natürlich noch längst nicht alle Tempranillo-Bestände genannt. Große Flächen finden sich zum Beispiel auch in Castilla y León oder der La Mancha. Auch hier möchten die Winzer vom guten Ruf des Tempranillo profitieren, der schon fast Markencharakter erreicht hat.

Will man sich also durch die Vielfalt der spanischen Tempranillo-Weine trinken, hat man wohl ein halbes Leben zu tun ;-). Spannend ist es allemal und warum nicht heute, am 12.11. – dem Internationalen Tag des Tempranillo – damit beginnen? Das komplette Tempranillo-Sortiment unseres Webshops finden Sie übrigens hier.

Salud!
Ihre Karen Göhler