Spaniens Rebsorten

Spaniens Rebsorten

Nach Jahren der Cabernet- und Merlot-Begeisterung geht der Trend in Spanien wieder zurück zu einheimischen Rebsorten.
Denn inzwischen baut (fast) Jeder französischeTrauben an. Das Problem: Diese Mainstream-Weine werden international beliebig.

Lokale Reben dagegen bilden ein Alleinstellungsmerkmal. Und, nicht zu vergessen: Sie wachsen seit Jahrhunderten in ihren angestammten Regionen, wurden von vielen Winzergenerationen kultiviert, sind also ideal an das Terroir angepasst.

Die jüngere Winzergeneration kehrt nun wieder zu den spanischen Rebsorten zurück und macht großartige Weine aus Trauben, die früher eher Brot-und Butter-Weine ergaben.

Sumoll

Im Herbst 2011 besuchte ich Gerard Jané auf seinem Weingut Jané Ventura in El Vendrell, einem kleinen Ort zwischen Barcelona und Tarragona. Gerard ist Anfang Vierzig, schlank, leicht angegraut und bärtig, eher ein ruhiger Typ. Er nimmt sich viel Zeit, wir fahren in die Weinberge und zur Masia, dem alten Landhaus inmitten der Reben. In der Bodega im Dorf zeigt er mir die noch nicht abgefüllten Weine, die noch gärenden Moste zum Teil mit Reinzuchthefen angesetzt, zum Teil spontan gärend, Faßproben von ein und demselben Wein in verschiedenen Barriques, die völlig unterschiedlich schmecken und dann seinen trocken ausgebauten Malavsía de Sitges.

 

Jane-Ventura-Vinos-Besuch

Weingut Jané Ventura – Gerard Jané

 

Gerard ist ein Tüftler, er experimentiert viel, um einen Wein so hinzubekommen, wie er ihn möchte, bzw. bis der Wein ideal sein Terroir widergibt – und man merkt, er hat Spaß daran. Sein Steckenpferd sind regionale Rebsorten. Schon seit über zehn Jahren macht er einen Rotwein aus Sumoll, einer seltenen katalanischen Rebsorte, ein sehr fein und kühl wirkender Wein mit in der Jugend recht dominanten Gerbstoffen. Ein wenig davon ist auch in seinem Jané Ventura »Negre Selecció« enthalten.

Jane Ventura Negre

Jané Ventura Negre Selecció 2010

 

Die neueren Versuche gelten der Malvasía de Sitges, einer lokalen Malvasía-Variante, die traditionell als Süßwein ausgebaut wird und fast ausschließlich im Badeort Sitges wächst und zwar auf den Weinbergen des örtlichen Hospitals, das für diesen Wein bekannt ist. Gerard macht aus den Trauben einen trockenen Wein, was skandalös ist, da man aus Malvasía nur süßen Wein macht – basta! Seit 2008 findet sich Malvasía in der Cuvée des Jané Ventura »Blanc Selecció« und nach Jahren des Ausprobierens ist er seit kurzem reinsortig in kleinster Auflage (leider nur in Spanien) auf dem Markt.

Jane Ventura Blanco Seleccion

Jané Ventura Blanc Selecció 2012

 

Mencía

Auch in anderen Regionen gab und gibt es kreative Köpfe, die sich den autochthonen Rebsorten verschrieben haben und alte, fast vergessene Schätze heben.

In Bierzo, einer Region an der Grenze zu Galizien war es vor allem Ricardo Palacios von Descendientes de J. Palacios, Sproß einer riojanischen Winzerfamilie, der als Zugezogener das Potential der lokalen Rebsorte sah und mit tiefroten, würzigen und feinstrukturierten Mencías aus kleinen Schiefer-Einzellagen Kritiker weltweit begeisterte und mit seinem günstigen Einstiegswein »Pétalos del Bierzo« das Anbaugebiet in der Genießerwelt bekannt machte.

Godello

Sein Verwandter Rafael Palacios (Der Bruder von Àlvaro) macht im galizischen Valdeorras die Spitzen-Godellos »As Sortes« und »Louro do Bolo«, die sich hinter Crus von der Côte de Beaune nicht verstecken müssen – faßgereift, mineralisch, vielschichtig, mit feiner Säure. Der bekannteste Godello dürfte allerdings Gaba do Xil von Telmo Rodriguez sein. Telmo,  Sohn einer Winzerfamilie aus der Rioja,  ist als ‚Driving Winemaker’ in ganz Spanien unterwegs, um mit lokalen Produzenten typische regionale Weine aus einheimischen Rebsorten herzustellen, die unter seinem Namen verkauft werden. Der Wein ist ein Paradebeispiel für die Rebsorte Godello: körperreich, säurearm, mit Aromen von reifem Apfel, Heu, Gewürzen. Und dazu ist er noch äußerst erschwinglich!

Gaba do Xil

Gaba do Xil Blanco Godello 2012

 

Garnacha & Carinyena

Oft sind es einzelne Winzer, meist Winzerskinder, die Weinbau studieren, im Ausland bei renommierten Weingütern Erfahrung sammeln und zurück in Spanien dann mit hervorragenden Qualitäten begeistern und dadurch eine ganze D.O. wieder ankurbeln.

So auch im Priorat, wo Ende der Achtziger Jahre eine Gruppe von fünf Winzern (René Barbier, José Luis Pérez, Dafne Glorian, Àlvaro Palacios (ja, der Palacios-Clan ist sehr aktiv) und Carles Pastrana) sich überlegte, daß man auf den steilen Schieferhängen einfach gute Weine herstellen können muß, nicht nur die dunklen alkoholstarken Weine, die Winzer anderer Regionen so gerne zum Verschneiden ihrer dünnen Machwerke billig aufkauften.
Der Erfolg war ungeahnt und international. Inziwschen haben die Pioniere alle ihre eigenen Weingüter und stellen immer noch legendäre Spitzen-Priorats her.

Hatte man anfangs die lokalen Rebsorten Garnacha und Carinyena mit Cabernet und Syrah „aufgepeppt“, so lernte man mit der Zeit, großartige Weine aus den beiden lokalen Sorten zu machen.

Man nutzt Cabernet und Co. noch als Cvuvéepartner aber reißt hier und da auch die Franzosen wieder raus, um Garnatxa und Carinyena zu pflanzen.

Ein positiver Nebeneffekt: Die Winzer erhalten wieder eine angemessene Entlohnung für die harte Arbeit auf den Hängen, und wo lange Zeit Abwanderung ein großes Problem war, kommen nicht nur Winzer dorthin, die sich von einem eigenen Weingut im Priorat großen Profit versprechen, sondern die jüngeren Leute kehren wieder zurück aufs Land, um um die Weinberge ihrer Eltern zu bewirtschaften.

 

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Tempranillo-Traube

Die wichtigsten autochtonen Rebsorten

TINTO

Tempranillo, Garnacha Tintorera, Monastrell, Bobal, Mencía, Cariñena, Sumoll

BLANCO

Albariño, Godello, Airén, Macabeu, Garnacha Blanca, Malvasia