Fazit zur Probe

Fazit zur Probe

Eine Weinprobe wie diese hatte ich auch noch nicht gesehen. Und als Filialleiter und Organisator der Wein & Vinos Weinproben, habe ich bereits einige durchgeführt. Deshalb war ich im Vorfeld auch schon gespannt auf den Verlauf des Abends. Die Idee klingt ja richtig gut! Die sechs Rotweine der Verkostung sollten von den Teilnehmern nur nach dem Erscheinungsbild der Flaschen gewählt werden. Aber! Wird die Qualität der gewählten Weine hoch genug sein für anspruchsvolle Weingenießer?  Kann das gut gehen? – Klare Antwort nach diesem Abend: Ja, das geht! Und zwar mit großem Vergnügen.

Die Spannung stieg, der Vorhang öffnete sich, die Show konnte beginnen. Eine stattliche Reihe von 21 Weinen präsentierte sich auf der kleinen Edelstahl-Bühne der Culiartis-Küche.

Weinprobe Auswahl neu

Die Teilnehmer der Probe wählen 6 Weine für die Verkostung

Nun war es an den 22 Probanden, ihre Weinauswahl zu treffen; basisdemokratisch. Jeder hatte sechs Kork-Chips, mit denen er innerhalb einer Minute (im Vorbeigehen, aus dem Bauch heraus) sechs Flaschen wählen musste, die er an diesem Abend probieren wollte. Jeder Wein hatte ein Schälchen zur Aufnahme dieser Chips.  Schwere Entscheidung! Und die einzige Information zu den Weinen war die Bandbreite der Verkaufspreise:  4.95 – 59.90 Euro.
Verzwickte Situation. Wie kann man die besten, tollsten, teuersten Weine erkennen? Schließlich will man ja lieber 50-Euro-Wein als 5-Euro-Wein probieren. Aber die Antwort kommt erst ganz am Schluss der Probe.

Die Publikums-Wertung für das schönste Etikett

Platz 1:   13 Punkte für  Vallegarcia Hipperia 2007
Platz 2:   12 Punkte für Rafael Cambra Dos 2010
Platz 3:   11 Punkte für F de Fuentespina 2004
Platz 4:   10 Punkte für Anima Negra An 2 2010
Platz 5:   9 Punkte für Mas Martinet Martinet Bru 2009
Platz 6:   8 Punkte für Jane Ventura Negre Seleccio 2010

Im Finale standen also zwei katalanische Weine, ein Mallorquiner, ein Ribera del Duero, ein Valencianer und ein Wein aus den Montes de Toledo. Eine schöne Mischung, für die man sonst kein gemeinsames Thema gefunden hätte.
Um heraus zu finden, ob der schönste auch der beste (=schmackhafteste) Wein sei, wurde zur Verkostung die umgekehrte Reihenfolge des Platzierungs-Ergebnisses festgelegt. Der Schönste kommt also zum Schluss. Nach herkömmlichen Tasting-Regeln wäre diese Trinkfolge sicher nicht zustande gekommen. Aber darin liegt der besondere Reiz dieser Weinprobe. Hier wird -im Wortsinn-  etwas probiert.

Geschmacks-Wertung

Es fiel den Teilnehmern nicht leicht, sich am Ende des Abends für einen Wein zu entscheiden. Aber es musste sein, um den besten Wein bestimmen zu können. Jeder hatte eine Stimme, und durch Handzeichen wurden folgende Weine auf das Podium gehoben.
Als Sieger ging der teuerste und älteste Wein an diesem Abend (59.90 €) hervor, F de Fuentespina Gran Reserva 2004. Platz 2 belegte ein Wein für 8.95 €, Rafael Cambra Dos 2010. Tolle Überraschung! Und auf Platz 3 rangiert der vermutlich berühmteste Wein Mallorcas AN/2  2010 (15.95 €)!

Weinverkostung Gewinner

Die Gewinner des Abends!

F de Fuentespina Gran Reserva 2004, DO Ribera del Duero
Rafael Cambra Dos 2010, DO Valencia
AN/2  2010 VdlT Mallorca

Die Speisen

Begleitet wurde die Probe von einem  Tapas-Menü, das der bestens aufgelegte Leroy von der Culiartis-Kochschule für uns zauberte. Wie immer perfekt gegart und abgeschmeckt.
Ensalada de Pulpo, Patatas Bravas, Pimientos del Padròn, Tortilla con Chorizo und Polenta con Pimentón waren genau die richtigen Begleiter zu diesen Weinen, die alle viel Anklang beim Publikum fanden. Zusammen ergaben sie ein Spanisches Menü, wie man es sich kaum schöner hätte wünschen können.

Bei Crema Catalana und dem ungemein frischen und gar nicht klebrigen Süßwein von Pepe Mendoza  klang ein farbenfroher Weinabend aus. Die Stimmung war ausgelassen, Gespräche mit den eben erst kennen gelernten Tisch-Nachbarn wurden fortgeführt.
Vielleicht sieht man sich mal wieder…

Fazit

Die Zuschauer-Wahl führte zu einem hochklassigen Feld von sehr abwechslungsreichen Weinen. Einige der wichtigsten Regionen und Rebsorten Spaniens waren vertreten. Merkwürdigerweise war die berühmteste Weinregion, La Rioja, nicht dabei. Obwohl einer mit seinem zeitlosen Etikett auf meiner persönlichen Liste ganz oben stand: Viña Tondonia Tinto Reserva 2001!

Jeder Teilnehmer bestätigte die Aussage, dass seine nur vom äußeren Anschein geweckten Erwartungen von den probierten Weinen erfüllt wurden. Jeder konnte sich also auf sein Gefühl  verlassen, das klingt beruhigend! Nehmt euch also Zeit beim Weinkauf.

Ich freue mich auf die nächste Weinprobe mit euch!
Jörg