Rosados - weiße Rote oder rote Weiße?

Rosados – weiße Rote oder rote Weiße?

Ein Sommer ohne Rosés oder Rosados, wie die Spanier sie nennen, ist mittlerweile fast ein Ding der Unmöglichkeit. Mit steigenden Temperaturen steigt auch die Lust auf diese Weine mit der blassroten bis himbeerfarbenen Tönung. Und wirklich, allein bei der Vorstellung, mich abends mit einem schönen kühlen Glas Rosé in den Garten zurückzuziehen, läuft mir das Wasser im Munde zusammen und ich wünschte, der Tag möge sich schnell seinem Ende zuneigen.

Von Jahr zu Jahr nimmt die Nachfrage nach Roséweinen spürbar zu und ich habe mich oft gefragt, was die Faszination Rosé eigentlich ausmacht. Letztlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es diese Weine auf wunderbare Weise vermögen, die frisch-fruchtige Charakteristik eines Weißweins mit der bodenständigen Tiefe eines Rotweins zu verbinden. Ob solo genossen oder als Begleiter zu leichten wie kräftigen Speisen: Rosados können überall punkten und überzeugen mit einer enormen Vielfalt und Vielschichtigkeit, so dass sich für jeden Geschmack und Anlass der passende Wein finden lässt. Bei Trinktemperaturen zwischen 6 und 12 Grad genossen, stehen sie für unkomplizierten und dennoch fruchtig-nachhaltigen Trinkgenuss.

Trotz alledem werden diese Weine hierzulande gern noch unterschätzt. Weit verbreitet ist die Meinung, dass sie keine „richtigen“ Weine seien, weil sie quasi zwischen den weißen und den roten stehen und sich als eigene Kategorie noch nicht vollständig etabliert haben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass immer noch zu wenig bekannt ist, nach welchen Methoden so ein Rosé überhaupt produziert wird. Es wird oft noch vermutet, das sie ein einfacher Mix aus Rot- und Weißweinen sind, was ganz gewiss nicht stimmt und gesetzlich sogar verboten ist.

Rosado Genuss

Der perfekte Wein für einen lauen Sommerabend.

Aber wie werden sie denn dann hergestellt wenn nicht durch Mischen?

Das aus weißen Trauben Weißwein und aus roten Trauben Rotwein hergestellt wird, ist eine bekannte Tatsache. Das aus den roten Weinbeeren auch weiße Weine und eben Rosados hergestellt werden können, ist vielleicht weniger bekannt. Möglich ist dies deswegen, weil die Beeren der meisten Rotweinsorten zwar eine rote Schale, aber weißes Fruchtfleisch und damit weißen Saft besitzen. Die für die Weinfarbe wichtigen Stoffe, sowie die Aromen, befinden sich in den Beerenhäuten, müssen diesen entzogen werden und in den Saft gelangen. Will man jetzt also aus den roten Trauben einen Weißwein produzieren, muss man nur die Schalen rechtzeitig vom Saft trennen. Bei der Rotweinherstellung verbleiben diese bis zu zwei Wochen und länger in Kontakt mit dem Saft. In der sogenannten Maische, eben jenem Gemisch aus Schalen, Fruchtfleisch und Most, findet die Gärung statt und löst sowohl die Farb-, als auch die Gerbstoffe sowie die Aromen heraus.

Und damit ist nun auch schon fast erklärt, wie ein Rosé entsteht: Schalen, Fruchtfleisch und Saft werden nach wesentlich kürzerer Zeit voneinander getrennt. In der Regel geschieht dies nach 12-24 Stunden. Innerhalb dieses Zeitraumes wird darauf geachtet, dass die Gärung noch nicht einsetzt, um unerwünschte Fehltöne im späteren Wein zu vermeiden.

Hauptsächlich zwei Methoden werden bei der Roséherstellung angewandt:

Die erste nennt sich metodo sangrado, was übersetzt etwa Ausbluten oder Aderlass bedeutet. Das klingt etwas schauerlich, ist jedoch ein gutes Bild dessen, was während des Produktionsprozesses passiert: Aus den verwendeten roten Trauben soll Rotwein gewonnen werden. Um diesem mehr Tiefe und Konzentration zu verleihen, wird, wie oben beschrieben, nach einigen Stunden etwa 10-15% des gewonnenen und schon leicht gefärbten Mostes ohne Pressung abgezogen und dann wie ein Weißwein vinifiziert. Hier ist der Tropfen mit der hellroten Färbung also ein Nebenprodukt der eigentlichen Rotweinherstellung.

Bei der zweiten Methode, der Direktpressung, besteht der Unterschied zur obigen darin, dass die verwendeten Trauben zu 100 Prozent für die Roséherstellung vorgesehen sind. Der Saft wird also nach einiger Zeit komplett abgepresst und zu Wein vergoren.

Es ist also gar nicht so einfach, einen Rosé herzustellen. Der Winzer muss von Anfang an eine genaue Vorstellung davon haben, was er am Ende für einen Wein gewinnen möchte. Die Wahl der Rebsorte und die Länge der Maischestandzeit sind entscheidende Faktoren. Schon die Farbe des Weines ist ein Spiegel dieser Entscheidung. Hier kann das ganze Farbspektrum zwischen Weiß und Rot erzielt werden: von Blassrot über lachsfarbene Tönungen bis zum intensiven Granat ist alles möglich.

Und so facettenreich ihr Farbspiel sein kann, so variationsreich fallen die Rosados dann auch in ihrer Aromatik und Struktur aus: Da gibt es die leichten, frischen Rosés für die Sommerparty, wie etwa den Cepunto oder den Pau. Für den gemütlichen Abend auf dem Balkon, der Terasse oder dem Garten eignet sich ein Rosé mit vollmundigen Schmelz und ausgeprägt beerigem Bouquet: hierfür ist der Altius perfekt.

Cepunto Rosado

Aufgrund der hohen Nachfrage wurde auch unsere beliebte Cepunto-Reihe um einen Rosado erweitert.

Weine wie der Lumos 5 – mit Kraft, Mineralität, saftiger Säure und einem feinem Hauch Bitterkeit – sind ideale Begleiter zu Tapas oder Gegrilltem. Oder haben sie schon einmal daran gedacht, Rosé mit asiatischer Küche zu kombinieren? Dann probieren Sie dazu den Mesa/4.9 Rosado oder den Valdelana Rosado 2013 und sie werden ein faszinierendes Zusammenspiel erleben. Sie sehen: Rosé ist nicht gleich Rosé! Es ist eine faszinierende Welt, die zu entdecken sich lohnt und die Spaß macht.

Sind Sie jetzt vielleicht neugierig geworden und ergeht es Ihnen wie mir? Merken Sie, dass Sie den Abend und das kühle Gläschen Wein herbeisehnen? Dann wünsche ich Ihnen und mir, dass der Tag schnell verfliegen möge und dann lassen Sie es sich schmecken.

Salud!
Ihre Karen Göhler