Spanische Winzer auf der ProWein 2014

Spanische Winzer auf der ProWein 2014

Eine ganz persönliche Ode an die spanische Weinbaukultur

Es ist für uns positiv Weinverrückte das allerschönste Erlebnis, zuhause in aller Ruhe aus unseren bevorzugten Weingläsern die großartigsten Tropfen zu genießen. Am besten mit einem Freund, dem Partner oder einem Gleichgesinnten. Den Genuss zu teilen, sich darüber auszutauschen, zu fachsimpeln, wenn nicht gar zu debattieren oder sich gegenseitig einfach nur in die Augen zu schauen und sich mit einem Blick über den Wein einig zu sein. Non-verbale, sensorische Einigkeit sozusagen. Das ist die fast vollständig emotionale Seite des Weinvergnügens.

Begeben wir uns aber auf die sachliche Ebene und werden wir durch und durch analytisch, ist es oft ratsam mehr zu beobachten und gut zuzuhören. In diesem Fall macht das Fachliche am meisten Spaß, wenn man auf die Winzer, sprich die Weinkünstler und die vinophilen Denker, diejenigen also trifft, die eine Idee haben und bei deren Umsetzung das Optimum aus ihren Weinbergen und Kellerbedingungen herausholen. Wahre Artisten der Weingüter! Manchmal unnahbare Intellektuelle, glücklicherweise oft genug aber auch ähnlich Begeisterte und positiv Bekloppte des Themas – so wie wir. Hat man nicht das Glück die Weingüter selbst besuchen zu können, so bietet sich doch die Gelegenheit bei der größten Weinmesse Deutschlands, der ProWein in Düsseldorf, mit den Winzern ins Gespräch zu kommen, sie gründlich auszufragen und – das darf natürlich nicht fehlen – ihre neuesten Kreationen zu probieren.

Zwei Winzer, die mir schon seit meiner gesamten Zeit bei Wein & Vinos sehr am Herzen liegen, konnte ich dieses Jahr persönlich treffen.

Bodegas Cachazo – die Quietus-Macher

Das erste Weingut, das ich vorstellen möchte, ist jenes, welches für unsere fabelhaften Quietus-Weine verantwortlich ist: Bodegas Félix Lorenzo Cachazo aus Pozaldez in der Weißweinregion Rueda. Seit vielen Jahren begeistern mich die Weine aus diesem Haus. Auch die Reaktionen unserer lieben Wein & Vinos-Kunden geben uns Recht, dass wir es hier mit exzellenten und ausdrucksstarken Weinen zu tun haben, die wirklich in jeder Jahreszeit schmecken. Jeder, der bei Wein & Vinos schon mal nach einem Spargelwein gefragt hat, wird Bekanntschaft mit dem Quietus Verdejo gemacht haben. Verdejo als DIE Weißwein-Rebsorte der D.O. Rueda steht für tiefe Frucht nach Mango, Maracuja, Limetten und eine nie störende, sondern fast erfrischende Säure. Als Solist ist ein Verdejo-Wein total geeignet und das Weingut um Eduardo Lorenzo Heras und seine Familie bekommt es wunderbar hin, Jahr um Jahr unsere deutschen Gaumen mit den Quietus Weinen zu gewinnen. Will man den spanischen Way-of-Life (Essen und Wein als untrennbare Allianz) in schönster Form erleben, führt kein Weg an ihnen vorbei, da sie exzellente Speisenbegleiter sind. Diese Weine sind ungemein überzeugend. Pure Frische und Mineralität von den teils sehr sandigen Böden kommen hier zum Vorschein. Der Quietus Rueda aus Verdejo und etwas Viura ist ein hervorragender Wein, wenn man z.B. zur Pasta mit grüner Pesto keinen gesichtslosen Italiener trinken mag.

Der Quietus-Winzer Eduardo Lorenzo Heras

Der Quietus-Winzer Eduardo Lorenzo Heras

Eduardos Vater hat nach Francos Diktatur die Appellation Rueda mit gegründet und zeichnet sich somit als einer der Pioniere des noch jungen spanischen Weinbaus aus.

Ebenso aus dem Hause Cachazo stammen die Gran Cardiel-Weine. Der Name Gran Cardiel kommt übrigens daher, dass bis vor ein paar Jahren ein Graf mit dem Namen Cardiel regelmäßig das Weingut besuchte, um die dort heimische Großtrappe (Vogelart) zu beobachten und zu bewundern.

Und ein weiteres Geheimnis wurde am ProWein-Stand exklusiv gelüftet. Wenn man auf dem Etikett des Gran Cardiel Verdejo über einen Großteil der Fläche die Hand legt, so wird auf magische Weise das Sternbild des großen Wagens sichtbar, welches wohl in einer sternenklaren Nacht über dem Himmel der Rueda besonders schön anzusehen ist.

Quietus Sternzeichen

Der große Wagen auf der Gran Cardiel Verdejo Flasche

Albert Jané und sein Acustic Celler Projekt

Der zweite Winzer, über den ich unbedingt berichten möchte, ist Albert Jané von der Kellerei Acústic aus Marça im Montsant. Ich habe bislang niemanden bei Besuchen auf Weingütern kennengelernt, der mit einer vergleichbaren Kosequenz und Leidenschaft Topweine in bester Regelmäßigkeit kreiert. Der Name „Weinproduzent“ käme in seinem Fall einer Beleidigung gleich. Als Sprössling aus dem Hause Jané Ventura, hatte Albert Jané eine genaue Vorstellung von der Qualität und dem Geschmack seiner zukünftigen Weine, als er 2003 das Acústic Weingut als Projekt startete.

Während andere Weingüter in ihren Listen günstige Weine führen, die sie als Massenwein unter die Leute bringen, setzt Albert alles auf eine Karte: sein Einstiegswein, der Acústic Negre, wäre bei anderen Gütern ein Wein der gehobenen Sorte. Da Albert jedoch in jeder Flasche ein echtes Erlebnis versenken möchte, kostet der Acústic 13,95 Euro. Er geht ein großes Risiko ein, wenn er das so macht, denn die Abhängigkeit von klimatischen Ausreißern kann unter schlechten Umständen bedeuten, dass er weniger produzieren kann. Glücklicherweise meint es das Klima meist gut mit ihm und es gelingt ihm, mit jeder Flasche sein Versprechen von höchster Qualität und einem einmaligen Geschmackserlebnis halten zu können.

Albert Jané an seinem ProWein Stand

Albert Jané an seinem ProWein Stand

Wir von Wein & Vinos sind stolz und froh aus Alberts Händen den Braó und den Auditori zu erhalten. Diese Weine repräsentieren das klassische Montsant – sprich Schiefermineralität und griffige Kompositionen aus Garnacha und Samsó von bis zu 80 Jahre alten Weinbergen mit, wie Albert sie nennt, magischen Rebstöcken.

So zeitlos die Weine, wie auch die Bauhaus-esquen Flaschenetiketten, sind, so bleibt Albert Jané nicht stehen. Das Motto „Stillstand ist der Tod“ könnte von ihm stammen. So kamen nach den äußerst erfolgreichen Weinen aus seinen Montsant-Weinbergen und Parzellen in der Zwischenzeit Weinberge aus dem Priorat hinzu. Hier kann Albert seine Vorstellung von fast erdrückender Schieferstilistik mit wohlschmeckenden, weichen Nuancen in die Realität umsetzen und seinen Teil zu  der um sich greifenden Priorat-Euphorie beitragen. Die Resultate sind fantastisch: da ist zum einen der Ritme, der seit zwei Jahren schon bei Wein & Vinos im Programm ist und das Gegenstück zum Acústic bildet. In Kürze werden mit dem Ritme Plaer und Ritme Etern zwei weitere potentielle Publikumslieblinge die Wein & Vinos-Bühne betreten. Ich hatte das Glück diese Weine schon verkosten zu dürfen und ich kann mich nur begeistert zeigen. Das sind umwerfende Weine voller Kraft und Tiefe, die 100%ig in Lichtgeschwindigkeit ihre Fans finden werden. Sie sind die Priorat-Antwort auf Braó und Auditori.

Und, last but not least, hat Albert Jané sein „Kompetenzteam“ auf seinem Weingut um die junge Önologin Elvira erweitert. Wir sind gespannt, wie sich das auf seine Weine auswirken wird!

Es war wunderbar, all die durch und durch sympathischen und begnadeten Menschen aus Spanien bei der ProWein wieder zu sehen bzw. kennenlernen zu dürfen. Durch die Bank waren all ihre  Weine von größter Güte und Zugänglichkeit und es würde mich extrem wundern, wenn sich daran in nächster Zeit etwas ändern sollte. Spaniens Weinkultur der jüngeren Vergangenheit ist, anders als einige andere Weinnationen, nicht in unnötiger und manchmal hinderlicher Tradition verfangen und gleichzeitig noch so sehr an der Entwicklung ihres eigenen Profils interessiert, dass nur ganz wenige der Moderne unreflektiert hinterher rennen. Voller Spannung und Vorfreude dürfen wir also gen iberische Halbinsel blicken und freudig darauf warten, was noch alles in den kommenden Jahren passieren wird. Das nächste Update gibt es dann 2015, wenn Spaniens Weinwelt wieder nach Düsseldorf kommt.

Mit besten Grüßen aus der Wein & Vinos Filiale in Frohnau
Euer Martin