Rotwein - Histamingefahr?

Hista…was? Der Histamin-Intoleranz auf der Spur

Meine heißgeliebte kleine Schwester kommt zu Besuch! Lange hatte ich mich auf dieses Wochenende gefreut. Und dann so was! Zur Feier des Tages gab es natürlich ein schönes Essen und dazu eine Gran Reserva aus der Rioja. Über zehn Jahre alt, lange im Barrique gereift – einfach köstlich! Doch während ich den Wein genießen konnte, wurde meine Schwester zusehends unruhiger.

»Was ist los?« »Ach nichts, ich vertrage Rotwein nur nicht so gut!« Klar, dachte ich bei mir mit einer Arroganz, wie sie wohl nur ein Weinhändler aufbringen kann: Wer seine Weine beim Discounter kauft … »Keine Angst, bei diesem Wein kann dir nichts passieren. Das ist Top-Niveau.« Doch schon bald wurde ich eines Besseren belehrt, denn meiner Schwester ging es immer schlechter. Mit aufgedunsenen Augen und roten Flecken am Hals saß sie mir gegenüber und schien so gar keinen Spaß mehr zu haben. Etwas ratlos stellte ich ihr ein Glas Wasser hin und nach einiger Zeit ging es ihr auch schon wieder besser.

Barrique gereifte Weine

Im Barrique gereifte Weine wie diese aus der Hacienda Monasterio sind bei Histamin-Intoleranz nictht zu empfehlen.

Doch was war passiert? Steckte hinter ihrer Vermutung keinen Rotwein zu vertragen vielleicht doch mehr als mangelnde Weinqualität? Und tatsächlich: Nach ein bisschen eigener Recherche und einem Bluttest beim Arzt wissen wir jetzt: Sie leidet unter einer Histamin-Intoleranz.

Histamin im Körper – Als Botenstoff ständig unterwegs

Histamin ist ein körpereigener Stoff, der als Botenstoff vielfältige Funktionen erfüllt. Auch in vielen Lebensmitteln ist Histamin enthalten und gelangt so zusätzlich in den Organismus. Um den Histamin-Gehalt auf einem verträglichen Niveau zu halten, kommt ein Enzym (wer es ganz genau wissen möchte – die Diaminoxidase) zum Einsatz, die überschüssiges Histamin abbaut. Arbeitet dieses Enzym nun jedoch eingeschränkt, wird das Histamin nicht abgebaut und führt zu Beschwerden. Vielfältige Symptome, wie Haut- und Schleimhautreizungen, Verdauungsbeschwerden, Atembeschwerden und Kopfschmerzen sind die Folge.

Ist die Unverträglichkeit erst diagnostiziert, hilft eine histaminarme Ernährung. Mit dem Verzicht u.a. auf Tomaten, Spinat, lange gereiften Käse und Meeresfürchte bekommt man die Symptome recht schnell in den Griff. Auf ein Glas Wein muss deswegen aber noch lange nicht verzichtet werden. Es kommt auf die richtige Auswahl an.

Was hat das also alles mit meiner großartigen Gran Reserva zu tun?

Der Histamingehalt im Wein ist abhängig von der Qualität des Leseguts und dem Alter bzw. der Reife des Weines. Je älter und gereifter ein Wein also ist, desto höher ist auch der Histamingehalt. Kein Wunder also, dass meine Schwester die lange gereifte Gran Reserva so schlecht vertragen hat.

Mit ein bisschen Ausprobieren hat sie mittlerweile Weine gefunden, die sie sehr gut verträgt. Leider sind allgemeinverbindliche Empfehlungen schwierig. Die Schwellenwerte sind bei den Betroffenen sehr unterschiedlich. Untersuchungen haben gezeigt, dass teilweise schon kleinste Mengen zu Unwohlsein führen können. Wer jedoch trotzdem nicht auf ein Gläschen Wein zum Essen verzichten möchte, kann sich an den folgenden Regeln orientieren:

Grundsätzlich haben Weißweine weniger Histamin als Rotweine (Vorsicht jedoch bei barriquegereiften Blancos). Und bei den Tintos empfehlen sich junge Weine, möglichst ohne Fassreife.

Falls Sie also selbst an einer Histamin-Intoleranz leiden, ist vielleicht hier der passende Kandidat für Sie dabei:

Avior Tinto 2013
Clos Lupo Monastrell 2013
Lumos No.1 Garnacha 2013
Prometus 2 2013
Dos Puntos Tinto 2013
Valdelana Tinto 2013

Bitte beachten: Da keine allgemeinverbindlichen Empfehlungen bezüglich der Schwellenwerte existieren, können wir nicht garantieren, dass histamin-intolerante Menschen diese Rotweine gut vertragen. Allerdings haben Untersuchungen belegt, dass die Symptome bei jungen Weinen ohne Fassreife selten auftreten.

¡Muchos saludos!
Ihre Tanja Stein