Fazit zur Probe

Fazit zur Probe

Französische Rebsorten auf spanischem Terroir

Was macht die berühmten französischen Reben aus Burgund, Bordeaux und von der Rhône eigentlich so besonders, wenn ihr Wein aus Spanien kommt? – Erstmal nichts, könnte man meinen.
Aber bei näherer Betrachtung kann man auch zu der Erkenntnis gelangen, dass das spanische Klima zu Eigenschaften im Wein führt, die die Weinliebhaber besonders schätzen, so jedenfalls meine These. Das wollte ich an diesem Abend herausfinden.

 

Weine der Verkostung

Weine der Probe final
Mas Vilella 2009

Geol 2009
Clos Cor Ví »Viognier«2012
Rosé-Cava von Canals & Munné

Pinot Noir 3/X
Vallegarcía Syrah 2009
Enrique Mendoza  Petit Verdot 2011 

 

Stilvolle Begrüßung

Rosé-Cava von Canals & Munné

Den Anfang machte der Rosé-Cava von Canals & Munné, zu 100 % aus Pinot Noir gekeltert! Wundervolle Waldbeer-Aromen und glasklar im Ausdruck, voller Leichtigkeit und feiner Perlage. Er bekam von vielen Teilnehmern am Ende des Abends ein Extra-Lob.

Cava Rosado final

 

Gleich zu Beginn überraschende Reaktionen

Clos Cor Ví »Viognier«2012
Pinot Noir 3/X

Sehr interessant waren die Reaktionen auf den Weißwein dieses Abends, Clos Cor Ví »Viognier«2012 einen hundertprozentigen Viognier.

Viognier

 

Die Rebsorte Viognier

stammt ursprünglich von der Rhône und ist im Moment dabei, sich in Spanien zu etablieren. Dass sie sogar im südlichen Klima Valencias einmal so hervorragende Ergebnisse zeitigen würde, ist fast unglaublich. Der Wein präsentiert sich zunächst verhalten. Die Frucht und das charakteristische Blüten-Aroma sind noch im Hintergrund. Etwas Luft zum Atmen tut ihm gut. Aber was in ihm steckt, merken wir in der Kombination mit der begleitenden Tarte Tatin (auf dem Kopf gebacken, Teig oben) vom Ziegenkäse mit Pinienkernen und getrockneter Tomate. Texturen und Aromen von Wein und Speisen korrespondierten unmittelbar und machten aus diesem Gang eine perfekte Kombination. Auch das Zitronensaft-Dressing des Feldsalats absorbierte der Wein meisterhaft. Zeitgleich mit dem Weißwein probierten wir einen Rotwein, den wundervollen Pinot Noir 3/X aus der Kellerei von Capçanes.

Capcanes

 

Der Pinot Noir

war zum Ziegenkäse der Tarte  besonders gut. Er besitzt eine ähnlich seidige Textur und beide verbinden sich im Gaumen perfekt. Dazu die zarte Pinot-Frucht (Waldbeeren) und die Welt ist für einen Augenblick in Ordnung…
Dieser Wein ist -nebenbei bemerkt- auch zu vielen anderen Speisen wie feinem Wild oder Schmorgerichten die perfekte Begleitung. Oder probieren Sie ihn einmal leicht gekühlt (16-18°) am Kaminfeuer…
Der 2008er Pinot Noir mit einjähriger Fassreifung präsentiert sich erstaunlich trinkreif! Frucht, Tannin, Säure und Alkohol sind richtig gut im Einklang, und man beginnt zu ahnen: Hier könnte das Geheimnis des spanischen Terroirs liegen. In der frühen Trinkbarkeit der Weine durch wärmeres Klima.

 

Die Weine des Hauptganges

Hauptgang Weine 1Enrique Mendoza  Petit Verdot 2011 
Geol 2009
Mas Vilella 2009
Vallegarcía Syrah 2009

Der folgende Gang sollte spannend werden! Eine Bouillabaisse mit Rouille und Croûtons, von Rotweinen begleitet, verriet uns etwas über die Wirkung von Tanninen.
Die beiden Weine Geol 2009 undEnrique Mendoza Petit Verdot 2011  sind in ihren Strukturen so unterschiedlich, dass ersterer sehr gut zur Fischsuppe passte, der zweite aber überhaupt nicht!

Der Geol 2009

ist ein veritabler Bordeaux-Gegenspieler. Zu über 80 % aus den Sorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc gekeltert hat er genau die Anmutung, die man eigentlich ausschließlich dem französischen Vorbild zuspricht. Gleichzeitig bringt er eine Konzentration und Samtigkeit mit, die man bei klassisch im Barrique ausgebauten Bordeaux-Weinen dieses Alters sicher nicht erwarten darf. (Und schon gar nicht für unter 20,- Euro) Sein Tannin ist frisch, aber rund und äußerst schmackhaft. Mit diesen Eigenschaften begleitete er die Bouillabaisse vortrefflich.

Der Petit Verdot 2011

von Enrique Mendoza ist da aus ganz anderem Holz geschnitzt. Ein tanninreicher schwarz-violetter Wein. Die Rebsorte Petit Verdot sorgt im klassischen Bordeaux für kräftige Tannine und Würze im Wein, unterstützt also seine Lagerfähigkeit. Seine noch feste Tanninstruktur kollidierte hier mit dem Seefisch und führte zu einem metallischen Aroma, das alles andere überdeckte und den Genuss minimierte.
Ein lehrreiches Experiment, das uns zeigte, welcher Wein definitiv NICHT zum Fisch passt! Den ließen wir also erstmal stehen, um ihn später nochmal zu probieren.
Und tatsächlich präsentierte er sich in Fleischbegleitung (Boeuf Bourguignon) noch einmal ganz anders! Jetzt stellte sich eine Harmonie ein, die jedem Anwesenden sofort auffiel!
Sein Tannin, die tiefdunkle Frucht und Würzaromen liefertem dem Fleisch in seinem Rotweinsud die adäquate Basis zu seiner Entfaltung.
Dieser Wein ist ein bisschen wie sein Erzeuger, Enrique Mendoza: manchmal eigenwillig, aber immer ein von Grund auf sympathischer Charakter.

Den Schluss der Verkostung markierten zwei dichte, überaus vielschichtige Weine. Mas Vilella 2009, ein Einzellagenwein von Jané Ventura aus dem Penedès und Vallegarcía Syrah 2009 , ebenfalls eine Einzellage aus den Bergen von Toledo. Beide Weine sind Aushängeschilder ihrer Erzeuger und herrlich typische Vertreter ihrer Rebsorten.

Der Mas Vilella

zählt für mich zu den besten Cabernet Sauvignons Spaniens und hat ein großes Reifepotenzial. Dennoch präsentiert er sich bereits als junger Wein als überaus trinkbar ohne sperriges Tannin. Mit dem typischen Cassis-Aroma und fester Tanninbasis passte er ausgezeichnet zum Rindfleisch und hatte im Vergleich mit dem Syrah von Vallegarcía mehr Spiel, mehr Transparenz.

Der Syrah

wirkte noch zu verschlossen, vielleicht ein wenig zu massiv. Stilistisch ist er zwischen den Weinen der nördlichen Rhône und Südaustralien anzusiedeln, kraftvoll, konzentriert-dunkelfruchtig (ohne Überreife) ergänzt um die Rebsorten-typischen Aromen von getrockneten Kräutern und schwarzem Olivenmus. Ein großer Wein für Syrah-Fans!

 

Das Fazit der Weinprobe

Jörg+beste Weine_Okt.13_1Es bestätigte sich meine Vermutung, dass alle Weine trinkreif und harmonisch waren. Bei aktuellen Jahrgängen dieser Qualitäten mit langen Ausbauzeiten in Barriques nicht unbedingt selbstverständlich. Hier macht sich das warme spanische Klima bemerkbar, das für reife Tannine sorgt. Raue Weine sind eher selten.
Die Rebsorten verlieren auch jenseits ihrer Heimat nicht ihren unverwechselbaren Charakter. Ihr Stil verändert sich jedoch im Allgemeinen. Die Weine bekommen mehr Fülle und Schmelz. Und gerade dies wurde von den Teilnehmern als angenehm gelobt. Sie stuften fünf Weine in Bezug auf Trinkreife und Geschmack als hervorragend, zwei Weine als gut ein. Angesichts von drei Rotweinen aus tanninreichen Bordeaux-Rebsorten ein super Ergebnis! Kein Wein fiel durch.

 

Die besten Weine des Abends

Per Handzeichen wurden abschließend wieder die besten Weine des Abends ermittelt.

Die Gewinner des AbendsPlatz 1: Enrique Mendoza Petit Verdot 2011
Platz 2: Capçanes »Pinot Noir 3/X« 2008
Platz 3: Geol 2009 & Mas Vilella 2009

Für mich überraschend, der Enrique Mendoza Petit Verdot 2011 wurde auf den ersten Platz gewählt. Ich hatte ihn offenbar unterschätzt! Zweiter wurde 3/X  Pinot Noir von Capçanes vor den punktgleichen Geol 2009 und Jané Ventura Mas Vilella 2009. In lockerer Atmosphäre wurden nach dem offiziellen Teil die angebrochenen Flaschen geleert und man erörterte  noch einmal die verschiedenen Wein-Charaktere des Abends. Der nächste Arbeitstag war nah, aber die Stimmung war super…

Danke für euren Zuspruch und eure Anregungen!
Bis zum nächsten Mal!

Jörg
Wein & Vinos Weinberater