Crianza, Reserva & Gran Reserva - Die spanischen Reifestufen im Vergleich!

Crianza, Reserva & Gran Reserva – Die spanischen Reifestufen im Vergleich!

Wer gerne spanischen Wein trinkt, der stolpert auf den Etiketten über kurz oder lang auf die Bezeichnungen Crianza, Reserva und Gran Reserva. Das klingt zwar gut, aber was genau hat es damit eigentlich auf sich? Und – noch viel wichtiger – wie schmeckt das denn? Werft mit uns gemeinsam einen Blick in die Fässer!

Um es mal ganz einfach zu sagen: Bei Crianza, Reserva und Gran Reserva handelt es sich um verschiedene Reifestufen. Das heißt, jeder Wein, der eines der drei Prädikate tragen möchte, muss eine vorgeschriebene Zeit im Barrique und anschließend auf der Flasche gereift sein, bevor er die Keller der Bodega verlassen darf. Das bedeutet für den Konsumenten, dass der Wein tatäschlich erst dann auf den Markt kommt, wenn er seine Trinkreife erreicht hat. Nicht zuletzt deswegen sind die spanischen Weine weltweit so beliebt. Wie lange die Reife jeweils dauern muss, wird vom Kontrollrat einer jeden D.O.P.-Region festgelegt.

Crianza

Während zum Beispiel eine Crianza in den meisten Anbaugebieten Spaniens mindestens sechs Monate im Fass reifen muss, so sind beispielsweise in der Rioja oder in Ribera del Duero 12 Monate vorgeschrieben. Daran schließt sich die Flaschenreife an, die je nach Region zwischen 12 und 18 Monaten beträgt.

Aber was genau macht eine Crianza eigentlich aus? Durch den im Vergleich mit den anderen Reifestufen relativ kurzen Aufenthalt im Holz, stehen bei diesen Weinen noch die primären Fruchtaromen im Vordergrund. Also die Aromen, die die Rebe selbst mitbringt. Demgegenüber spielen die Aromen der Fassreife noch keine so große Rolle.

0036_006_Vina_Tondonia_Küferei

Die Bodega Muga verfügt als eine der wenigen noch über eine eigene Küferei. Die meisten Kellerein kaufen die Barriquefässer heute zu.

Reserva

Die Regelungen für Reservas sind schon etwas einheitlicher. Hier sind mindestens 36 Monate Reife vorgeschrieben, davon mindestens 12 im Barrique. Wenn also ein Wein beispielsweise im September 2015 gelesen wird, dann kommt er ungefähr im Oktober ins Barrique. Hier bleibt er für mindestens 12 Monate, wird also frühestens im Oktober 2016 abgefüllt. Und mit der vorgeschriebenen Mindestreife von 24 Monaten kommt der Wein also frühestens im Oktober 2018 auf den Markt – drei Jahre nachdem er gelesen wurde.

Durch den längeren Aufenthalt im Holz ist der Einfluss der Barriques natürlich schon viel ausgeprägter als bei einer Crianza. Die primäre Frucht tritt ein wenig in den Hintergrund und macht Platz für die Röstaromen. Wie stark diese ausgeprägt sind und welche geschmacklichen Nuancen sich erkennen lassen, das richtet sich freilich nach dem Alter der Fässer (je neuer desto deutlicher) sowie nach dem Grad des Toastings. Damit bezeichnet man das Anrösten der Fassinnenseite, bevor das Fass zum ersten Mal mit Wein gefüllt wird. Und auch hier gilt: Je stärker das Fass getoastet ist, desto stärker sind die Aromen ausgeprägt. Und diese reichen von Vanille, Schokolade, Mokka und Toffee bis hin zu Kokos und Eichenholz.

IMG_1275-1000x666

Vor der ersten Belegung für ein Barrique ausgebrannt („getoastet“). Je nach dem Grad der Röstung hat das Holz unterschiedliche Wirkungen auf den späteren Wein.

Gran Reserva

Die Gran Reserva stellt sozusagen die Königsklasse der Reifestufen dar. Denn damit sich ein Wein mit dieser Bezeichnung schmücken darf, muss er mindestens 60 Monate – also 5 Jahre reifen – davon 24 Monate im Barrique. Hier zeigen sich nun natürlich die Reife-Aromen besonders deutlich. Und um mit einem großen Vorurteil aufzuräumen: Die Weine werden mit zunehmender Reife nicht kräftiger! Vielmehr gewinnen sie an Eleganz und Filigranität hinzu. Wer sich also eine Gran Reserva einschenkt, in der Hoffnung ein opulentes Geschmacks-Feuerwerk zu erleben, der wird enttäuscht werden. Denn diese gereiften Schätze sind Weine der leisen Töne: die Frucht ist noch ganz fein im Hintergrund wahrnehmbar, entwickelt sich möglicherweise schon langsam in Richtung getrockneter Früchte. Hinzu gesellen sich Aromen von feinem Holz, Waldboden, Leder und feinster Zigarrentabak. Die Tannine wirken wesentlich zarter und weicher. Sie schließen sich im Laufe der Lagerung zu immer längeren Molekülketten zusammen, die mit zunehmender Größe ihre adstringierende Wirkung verlieren und schließlich auf den Flaschenboden absinken. Aus diesem Grund schmecken gereifte Weine wesentlich sanfter, runder und harmonischer als frisch abgefüllte Jungweine. Neben den traubeneigenen Tanninen gelangen während der langen Reife auf Tannine aus dem Holz der Fässer in den Wein. Je länger der Wein reift, desto besser werden diese holzbürtigen Gerbstoffe in das Aromen-Spektrum des Weins integriert und sorgen so für einen harmonischen Gesamteindruck.

Wer sich mal einen Eindruck davon machen möchte, wie sich ein Wein mit zunehmender Reife entwickelt, der ist mit dem Vietor y Leon, denn den könnt ihr in den drei Reifestufen verkosten:
Vietor y Leon Crianza
Vietor y Leon Reserva
Vietor y Leon Gran Reserva

 

Probiert es einfach mal aus!

Eure Tanja, Wein & Vinos Team